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  • Linus Graber
  • vor 2 Tagen

Mord(s)spass für die Familie – Park Chan-wooks neuer Film schildert den blutigen Überlebenskampf im modernen Stellenmarkt.



Man hört es ständig: Firmen kündigen Sparmassnahmen an, Stellen werden abgebaut und langjährige Mitarbeiter verlieren ihren Job. Danach eine neue Anstellung im gleichen Lohnsegment zu finden, ist oft schwer, und auf Annehmlichkeiten zu verzichten, weil man plötzlich weniger Geld hat, will schliesslich niemand.


Genau vor diesem Problem sieht sich auch Familienvater Man-su (gespielt vom Squid Game-Star Lee Byung-hun), welcher nach 25 Jahren Expertise in der Papierindustrie nun entlassen wird. Arbeitslos kann er es als Familienoberhaupt (so nennt er sich gerne selbst) nicht mit ansehen, wie seine Frau und seine zwei Kinder auf den gewohnten Komfort verzichten müssen. Gelder für Freizeitaktivitäten werden gestrichen, die beiden Hunde der Familie müssen weggegeben werden und vielleicht müssen sie sogar ihr Haus mit grossem Garten verlassen und in eine Hochhaussiedlung ziehen. Man-su versucht, eine neue Stelle in der Papierindustrie zu finden, doch das ist gar nicht so leicht. Der Jobmarkt ist klein und die Mitbewerber sind gut. Doch vielleicht lässt sich das ändern ...


No Other Choice ist der 12. Spielfilm des südkoreanischen Filmemachers Park Chan-wook, den man international wohl am besten für seinen Kultklassiker Oldboy kennt. Der Film basiert auf dem amerikanischen Roman The Ax von Donald E. Westlake, welchen Chan-wook bereits 2009 verfilmen wollte. 16 Jahre später konnte er das Projekt nun umsetzen. Aktualität hat der Stoff auf jeden Fall nicht verloren.


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No Other Choice erzählt von einem Klassenkampf. Allerdings nicht von einem vertikalen (unten gegen oben), sondern von einem horizontalen. Man-su ist nicht der einzige Papierexperte auf Jobsuche. Und nach 18 erfolglosen Monaten beschliesst er, die besser qualifizierten Mitbewerber aus dem Weg zu räumen. No other choice, also keine andere Wahl, ist die Handlungsmaxime, nach der Man-su handelt. Und der Film schafft es, die Ausweglosigkeit der Hauptfigur so zu schildern, dass man sie bei ihrem blutrünstigen Plan fast etwas anfeuert. Immerhin ist die Angst, die Man-su antreibt, eine, die alle gut nachvollziehen können. Es ist die Angst um die eigene Existenz und die finanzielle Sicherheit der Familie. Verhandelt werden aber auch neuere Ängste, wie etwa das Verschwinden der Industrie, in der man berufstätig ist (im Fall von Man-su der Rückgang von Papier), oder das Obsoletwerden der eigenen Arbeitskraft durch Modernisierungen und künstliche Intelligenz.


Jobsuche ist Überlebenskampf. Diese Beobachtung macht sich der Film zunutze und nimmt sie ganz wörtlich. Das Ergebnis ist eine schwarze Komödie der ganz besonderen Art. Denn Man-su ist kein kaltblütiger Killer. Ganz im Gegenteil, er ist ein lausiger Mörder. Angetrieben wird er von einer tiefen Unsicherheit, dass er ohne Einkommen als Ehemann und Vater nichts mehr tauge. Durch seine Kündigung sieht er sich in seiner Männlichkeit kompromittiert, sodass er bisweilen sogar vermutet, seine sehr unterstützende Ehefrau schlafe mit ihrem Tennislehrer. Doch genau wegen dieser Makel sehen wir Man-su gerne zu, wie er höchst dilettantisch sein Vorhaben umsetzt. Seine Unsicherheit und Verzweiflung wird dabei komödiantisch wunderbar von Lee Byung-huns Mimik eingefangen.


Es ist nicht gut gut jlkasdf kblakjsei sadf
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Park Chan-wook versucht mit No Other Choice ein Genre-Kunststück: teils Thriller, teils Gesellschaftssatire, teils schwarze Komödie. Diese Balance gelingt mal besser, mal schlechter. Der Film braucht etwas gar lange, bis die Handlung ins Rollen kommt. Dadurch wirkt das Produkt am Ende etwas halbgar. Man bekommt viel angeboten, wird aber oft etwas unbefriedigt zurückgelassen. Die schwarze Komödie beginnt zu spät, Thrillerelemente kommen und gehen und die Gesellschaftskritik bleibt oberflächlich.


Nichtsdestotrotz ist No Other Choice ein durch und durch unterhaltsamer Film. Inszenatorisch überrascht Park Chan-wook wieder mit ungewöhnlichen Kameraeinstellungen und Schnitten. Für die Academy Awards hat es dieses Jahr allerdings nicht gereicht: Der Film erhielt keine einzige Nomination.



 
 
 
  • Linus Graber
  • 8. Aug. 2025

Comeback des Klamauks – Das Reboot der berühmten Comedy-Reihe will, dass im Kino wieder gelacht wird.



Komödien auf der grossen Leinwand sind im Streaming-Zeitalter zur Seltenheit geworden. Sie werden von Studios üblicherweise direkt über Streaming-Plattformen veröffentlicht, ohne einen Kinostart zu bekommen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist etwa Adam Sandlers «Happy Gilmore 2», welcher letzten Monat direkt auf Netflix veröffentlicht wurde. Das Studio Paramount will dieser Rezession von Komödien im Kino entgegenwirken: «The Naked Gun» (2025) bildet nicht nur den Versuch, die beliebte Comedy-Reihe zurückzubringen, sondern auch den Entschluss, das Genre wieder auf die Leinwand zu bringen.


Im Reboot der «Naked Gun»-Reihe schlüpft Liam Neeson in die Rolle von Lieutenant Frank Drebin Jr., dem Sohn von Leslie Nielsens Figur der originalen Trilogie. Nach dem Diebstahl eines Geräts namens P.L.O.T. Device, eingefädelt vom Tech-Milliardär Simon Davenport (Danny Huston), lernt Drebin Jr. Beth kennen (Pamela Anderson). Die beiden beginnen daraufhin eine Verschwörung aufzudecken, die das Schicksal der Welt bestimmt.


Wer mit dem «Naked Gun»-Franchise vertraut ist, weiss, dass die Handlung nicht nebensächlicher sein könnte. Der Plot besteht aus der Blaupause eines Polizeithrillers: böser Unternehmer, Femme fatale und internationale Verschwörung. Die Geschichte dient allerdings nur als Kulisse für das Gag-Feuerwerk, das sich davor abspielt. Im gefühlten Sekundentakt feuerten die originalen «Naked Gun»-Filme Gags ab. Von absurd über clever bis schlichtweg stumpf war alles dabei. Manchmal funktioniert ein Gag nicht, dann ist aber schon der nächste da. Was den Humor der Filme allerdings vor allem ausmacht, ist ihre Ernsthaftigkeit. Witze werden nicht mit Augenzwinkern und übertriebener Manier inszeniert, sondern die Figuren und die Welt nehmen sich ernst. Der Kontrast zwischen dieser Erdung und den absurden Dialogen und Situationen bildet den humoristischen Kern der «Naked Gun»-Filme. Die Macher der originalen Filme, David Zucker, Jerry Zucker und Jim Abrahams, haben in ihren Filmen eine sehr einzigartige Art Humor geprägt, die auch in den folgenden Jahrzehnten nicht wirklich imitiert wurde.


Schafft es nun der neue «The Naked Gun» (2025) diesem Erbe gerecht zu werden? Die Antwort ist: ja, überraschend gut sogar. Natürlich ist der neue Film in vielen Aspekten anders als die alten Filme. Immerhin leben wir aber auch in einem ganz anderen Jahrzehnt und Zeitalter, historisch wie auch filmisch. Das Reboot ist etwas mehr auf seine Handlung fokussiert als noch die Vorgänger. Auch sieht man klar den Einfluss des Regisseurs Akiva Schaffer, welcher Mitglied des Comedy-Trios «Lonely Island» ist. Manche Gags erinnern dadurch eher an den «Lonely Island»-Stil als an das Original – was nicht per se schlecht ist. Wie gesagt leben wir in einer anderen Zeit – ein verkrampfter Imitationsversuch der alten Filme hätte mit grosser Sicherheit katastrophal geendet.



Trotz der erkennbar neuen Handschrift schafft es «The Naked Gun» (2025) nämlich, den Prinzipien des «Naked Gun»-Humors treu zu bleiben: Die Welt nimmt sich ernst, die Figuren nehmen sich ernst, und Dialoge werden ernsthaft inszeniert. Liam Neeson als Frank Drebin Jr. ist dabei grossartig gecastet. Er spielt zwar ganz anders als Leslie Nielsen, verleiht aber seinen Sätzen eine Gravitas, die dem Humor des Films perfekt in die Hände spielt. Gut war die Entscheidung, nicht einen Komödienstar zu engagieren, sondern jemanden, den man vor allem aus dem Actionkino kennt. Auch Pamela Anderson, die aktuell ja ein gewisses Karriere-Revival feiert, spielt ihre Rolle perfekt auf die Stärken des Films gemünzt.


Der Film ist schlussendlich nicht ohne seine Schwächen. Insbesondere der Mittelteil fokussiert sich etwas zu sehr auf die Handlung, wodurch das Gag-Feuerwerk etwas abnimmt. Auch nutzen sich manche Witze mit der Zeit etwas ab. Allerdings sollte man sich erinnern, dass auch die Originaltrilogie nicht ohne Makel ist und nicht alle Gags zündeten. Schlussendlich darf sich noch anmerken lassen, dass Humor natürlich etwas sehr Subjektives ist. Wer allerdings mit den alten «Naked Gun»-Filmen oder «Lonely Island» etwas anfangen kann, dem kann ich den Film nur wärmstens ans Herz legen. Nicht jeder Gag wird zünden, aber mit knackigen 85 Minuten kann man eigentlich wenig falsch machen. Ob Paramounts Versuch gelingt, Komödien wieder ins Kino zu bringen, wird sich mit den Zahlen zeigen. Es ist allerdings wieder einmal schön, in einem Kinosaal zu sitzen und mit einem Publikum gemeinsam zu lachen. Gerne mehr davon!





 
 
 
  • Linus Graber
  • 13. Juni 2025

Aktualisiert: 20. Juni 2025

Turbulente Zeiten – Der neue Dokumentarfilm zeigt John Lennon und Yoko Ono in ihrem ersten Jahr in den USA – zwischen Protesten, Skandalen und dem Finden der eigenen Rolle.

Yoko Ono und John Lennon beim «One to One»-Konzert im Madison Square Garden in New York.
Yoko Ono und John Lennon beim «One to One»-Konzert im Madison Square Garden in New York.

Als großer Beatles-Fan bin ich in einer Sache einfach gestrickt: Wenn ein Film verspricht, nie zuvor gesehene Archivaufnahmen der Band zu veröffentlichen oder altes Material zu restaurieren, bin ich am Start. Manchmal mündet diese Bereitschaft in milder Enttäuschung, wie etwa jüngst beim von Martin Scorsese für Disney+ produzierten Dokumentarfilm «Beatles '64», welcher die ersten drei Wochen der Beatles in Amerika und ihren damaligen kulturellen Einfluss porträtiert. Dieser Fokus auf nur einen kleinen Abschnitt der Band hört sich interessant an, mündete allerdings in einen Film, der nicht viel Neues zu erzählen hatte und mit unzähligen Talking Heads die Zeit zu überbrücken versuchte.

 

Das Konzept, sich auf einen kleinen Zeitabschnitt zu fokussieren, verfolgt auch der Film «John & Yoko: One to One», welcher aktuell in den Kinos läuft. Mitproduziert vom Sohn Sean Lennon, beleuchtet der Film John Lennons und Yoko Onos Leben in New York im Jahr 1972. Der Ausgangspunkt bildet das Wohltätigkeitskonzert «One to One», Lennons letztes abendfüllendes Konzert vor seinem Tod. Die restaurierten Aufnahmen dieses Konzerts werden vermischt mit Archivaufnahmen dieser Zeitperiode – nicht nur von Lennon und Yoko, sondern auch vom Aktivismus gegen den Krieg in Vietnam, Richard Nixons Präsidentschaft und sonstigen Zeitdokumenten, etwa in Form von Werbungen.


Anders als in «Beatles '64», wo alte Musikerinnen und Musiker in der Erinnerung schwelgen, ihr erstes Beatles-Album gekauft zu haben, schafft es das Regieduo Kevin MacDonald und Sam Rice-Edwards durch die Montage einen Einblick in das Amerika von 1972 zu geben. Dieses ist geprägt von einem Krieg auf einem anderen Kontinent, einem republikanischen Präsidenten, der wiedergewählt werden will, Aktivisten wie Jerry Rubin und Allen Ginsberg, und natürlich John Lennon und Yoko Ono, die frisch von London ins Village nach New York gezogen sind und nun an vorderster Front Teil des kulturellen Wandels sein wollen.


Der eigentliche Aufhänger des Films, das «One to One»-Konzert, rückt schnell in den Hintergrund. Vielmehr will uns der Film das Porträt einer Nation vermitteln, die sich im Zwiespalt befindet. Es werden Aufnahmen aus Vietnam gezeigt, Nixon, der von der Bevölkerung gefeiert wird, und Demonstranten auf der Strasse. Dabei liegt der Bezug zur aktuellen Weltlage nicht fern (Palästina und Donald Trump) – eine Beobachtung, derer sich die Filmemacher mit grosser Wahrscheinlichkeit bewusst waren.


Das Künstlerpaar zog in eine kleine Wohnung ins Greenwich Village.
Das Künstlerpaar zog in eine kleine Wohnung ins Greenwich Village.

Das Ziel des Films ist es schlussendlich aber nicht, die Amtszeit von Donald Trump mit der Nixon-Ära gleichzusetzen, auch wenn dieses Gefühl immer wieder mitschwingt. Es geht darum, welchen Platz John und Yoko inmitten dieser Unruhen einnehmen. Dieser Frage muss sich auch das Paar stellen. Neu in New York, freunden sich die beiden schnell mit Künstlern, Aktivisten und Intellektuellen an. Man sieht, wie Lennon und Ono helfen wollen – etwa indem sie Jerry Rubin in eine Talkshow holen oder bei Demonstrationen auftreten. Gleichzeitig wirken sie aber immer wieder etwas orientierungslos. Über neu veröffentlichte Telefonate erfahren wir von einer nie zustande gekommene Konzerttour, in welcher Lennon in jeder auf der Tour besuchten Stadt eine gewisse Anzahl Häftlinge auf Kaution freikaufen wollte. Das Telefonat zwischen Lennon und seinem damaligen Manager Allen Klein wirkt zeitweise fast absurd – etwa in einem Moment, in welchem sie darüber diskutieren, wie sie die Auswahl der freizukaufenden Häftlinge treffen wollen. Klein schlägt vor, einfach alphabetisch von A nach Z zu gehen; Lennon ist sich noch unsicher, wie die Auswahl getroffen werden soll, findet aber die Idee schon mal «fucking great». Lennon und Ono wollen einen produktiveren Beitrag an den Aktivismus leisten, statt nur ihrer Kunst. Ganz so einfach ist das für die beiden aber nicht.


Lennon und Ono wollen einen produktiveren Beitrag an den Aktivismus leisten, statt nur ihrer Kunst. Ganz so einfach ist das für die beiden aber nicht. Oft handeln sie überstürzt und wirken in den politischen Unruhen fast etwas verloren . Wirklich kritisch wird der Film mit Lennon und Ono aber nicht – was nicht zuletzt an der Mitwirkung von Sohn Sean Lennon liegen dürfte. Lennons Worte im Song «Mother», den er auch am «One to One»-Konzert singt, in denen er seinen Vater anschuldigt, ihn verlassen zu haben, wirken zynisch, wenn man bedenkt, dass Lennon für seinen Sohn aus erster Ehe, Julian Lennon, fast nie anwesend war.


Der Fokus des Films liegt allerdings auch ganz woanders. Im Gegensatz zu «Beatles '64» gelingt es «John & Yoko: One to One» durch toll zusammengeschnittenes Archivmaterial einen ganz bestimmten zeitlichen Einblick zu gewähren – nicht nur in das Leben John Lennons und Yoko Onos, sondern auch in die Geschichte Amerikas. Nicht nur Beatles- und Lennon-Fans ist dieser Film wärmstens zu empfehlen, sondern auch all jenen, die angesichts der aktuellen Ereignisse mal wieder eine historische Auffrischlektion benötigen.






 
 
 
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