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Project Hail Mary

  • Autorenbild: Linus Graber
    Linus Graber
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Feel-Good-Kino im Weltall – «Project Hail Mary» ist geballte Ryan Gosling-Starpower in Überlänge. Ein Unterhaltungsbombast über Optimismus und Freundschaft, der sich leider viel zu wenig traut.



Für Weltuntergangsszenarien braucht man heutzutage nicht mehr ins Kino zu gehen, ein Blick in die Nachrichten genügt. Für viele dient das Kino dementsprechend als Eskapismus, etwa in digitale Welten wie Avatars Pandora oder halbgare Disney-Fantasien. Dass nun ein Weltraumfilm mit Untergangszenario zum Publikumsmagnet wird, dürfte verwundern. Tatsächlich verbirgt sich in «Project Hail Mary» allerdings ein Feel-Good-Film, mit zwar wenig Biss, dafür ganz viel Optimismus.


«Project Hail Mary» basiert auf dem gleichnamigen Roman («Der Astronaut» auf Deutsch) von Andy Weir und wurde vom Regieduo Phil Lord und Christopher Miller inszeniert, die man von den Jump-Street-Filmen kennt. Mittelschullehrer und Molekularbiologe Ryland Grace (Ryan Gosling) wacht ohne Erinnerungen allein auf einem Raumschiff, mehrere Lichtjahre von der Erde entfernt, auf. Während Grace beginnt, den Grund seines Aufenthalts im Weltall zu entschlüsseln, sehen wir in Rückblenden, wie er von der Agentin Eva Stratt (Sandra Hüller) angeheuert wird, einen Mikroorganismus zu erforschen, welcher die Sonne "auffrisst", was auf der Erde zu Abkühlungen katastrophalen Ausmasses führen würde. Ein weit entfernter Stern im Tau-Ceti-System scheint es geschafft zu haben, den Mikroorganismus abzuwehren, und um herauszufinden, wie der Mikroorganismus aufgehalten werden kann, werden drei Astronauten in einem Himmelfahrtskommando zum Stern geschickt. Wie sich später herausstellt, ist Grace unfreiwillig auf dieser Mission dabei, und da die restliche Besatzung das künstliche Komma nicht überlebt hat, liegt die Zukunft der Erde nun auf seinen Schultern.


 

Dreh- und Angelpunkt von «Project Hail Mary» ist Ryan Gosling. In über 150 Minuten begleiten wir seine Figur, die er gewohnt charmant, spitzbübisch und manchmal etwas tollpatschig verkörpert. Es ist Star-Kino, wie es im Buche steht. Aber auch die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller liefert ein Hollywood-Debüt ab, das ganz sicher im Kopf bleiben wird. Ganz allein ist Gosling im Weltall allerdings nicht. Grace trifft nämlich auf Rocky, einen felsähnlichen Ausserirdischen, der ebenfalls nach Tau Ceti reiste, um seinen Planeten vor dem Mikroorganismus zu retten. Mit gemeinsamem Ziel spannen Grace und Rocky also zusammen.

 

Daraus entwickelt sich schnell eine Freundschaft. Denn «Project Hail Mary» ist in erster Linie eine Geschichte der Zusammenarbeit und des Optimismus. Alle spannen zusammen, um eine Lösung gegen die Bedrohung aus dem All zu finden, seien dies verfeindete Staaten oder sogar andere Spezies. Einen solchen Optimismus gibt es seit Ende der 90er-Jahre selten in den Kinos. Und wieso auch nicht: Die Vorstellung, wie ein unfreiwilliger Held und sein felsiger Alienfreund alle Probleme der Menschheit lösen, ist doch auch mal ganz schön. Statt philosophischem Weltraumdrama oder politischem Kommentar ist «Project Hail Mary» viel eher eine Buddy-Komödie. Die Freundschaft zwischen Grace und Rocky funktioniert. Sie ist unterhaltsam, lustig und emotional durchaus berührend.


 

Wer hingegen von «Project Hail Mary» etwas Tiefgang erwartet, wird enttäuscht. Die Geschichte von Ryland Grace überrascht – wenn überhaupt – selten. Schnell merkt man dem Hollywood-Blockbuster eine gewisse Formelhaftigkeit an, aus der «Project Hail Mary» nie ausbricht. Hindernisse müssen überwunden werden, doch auch diese scheinen oft nicht besonders gross. Die Menschheit zu retten, ist in «Project Hail Mary» überraschend einfach. Das fängt bereits auf der Erde an: Alle Länder arbeiten zusammen, um die Erde vor einer Klimakatastrophe zu retten. Der Auslöser der Katastrophe und die Lösung des Problems kommen aus dem All. Im Hinblick auf den menschengemachten Klimawandel, eine reale Katastrophe, welche an der globalen Kooperation scheitert, wirkt diese fast schon dezidiert apolitische Haltung manchmal gar zynisch. «Project Hail Mary» bezieht keine Haltung und wirkt dadurch am Ende fast etwas profillos.

 

Für einen Film mit über 150 Minuten Länge nimmt er sich auch selten Zeit, auf Bildern und Emotionen zu verweilen. Schnelle Schnitte und konstante Needle-Drops machen den Film vielleicht kurzweiliger, aber nicht besser. Auch hätte der Film mehrere Szenen früher enden dürfen und verdeutlicht, dass Dinge manchmal besser angedeutet, statt gezeigt werden sollen.

 
 
 

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